Die vier edlen Wahrheiten Buddhas
Als Siddhartha zum ersten Mal einen Kranken, einen Greis und einen
Toten sah, stieg in ihm eine quälende Frage über den Sinn
des Lebens auf. Wir der Mensch nur geboren um zu leiden, alt zu werden
und zu sterben? Dann begegnete Siddhartha einem heiligen Mann, der
auf der Suche nach Wahrheit den Freuden der Welt entsagt hatte. Das
gab ihm den Anstoß, seine Familie, seinen Besitz und seinen
königlichen Namen aufzugeben. Die folgenden sechs Jahre brachte
er bei Lehrern des Hinduismus und bei Gurus zu, von denen er sich
eine Antwort erhoffte, jedoch ohne Erfolg. Er fastete, betrieb Yoga
und übte sich in strengster Askese. Trotzdem fand er keinen inneren
Frieden und erlangte keine Erleuchtung.
Schließlich kam er zu der Erkenntnis, dass strenge Askese ebenso
nutzlos war wie das von ihm zuvor geführte Leben im Überfluss.
Jetzt verfolgte er den "mittleren Weg", wie er ihn nannte,
und mied sowohl die eine als auch die andere extreme Lebensweise.
Er war überzeugt, dass es eine Antwort auf seine Frage gab, dass
er sie aber nur durch Meditation finden konnte. Deshalb ließ
er sich unter einem Pipalbaum, einem indischen Feigenbaum, nieder
und gab sich der Meditation hin. Er widerstand allen Angriffen und
Versuchungen des Teufels Mara und setzte seine Meditation vier Wochen
(manche sprechen von sieben Wochen) beharrlich fort, bis er alle Erkenntnis
und alles Verständnis überschritten hatte. Dann gelangte
er zur Erleuchtung. Und damit wurde Siddhartha Gaudama zum Buddha,
zum Erwachten oder Erleuchteten. Er hatte das endgültige Ziel,
das Nirwana, erreicht, einen Zustand vollkommenen Friedens und der
Erleuchtung, frei von Begierde und Leiden.
Die vier edlen Wahrheiten Buddhas
"Dies, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit vom Leiden:
Geburt ist Leiden, Alter ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Sterben
ist Leiden; mit Unlieben vereint sein ist Leiden. Von Lieben getrennt
sein ist Leiden. Nicht erlangen, was man begehrt, ist Leiden."
"Dies, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit von der Entstehung
des Leidens: es ist der die Wiedergeburt erzeugende Durst, begleitet
von Wohlgefallen und Begier, der hier und dort seine Freude findet:
nämlich der Durst nach Lust, der Durst nach Werden und Dasein."
"Dies, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit von der Aufhebung
des Leidens: Die Aufhebung dieses Durstes durch restlose Vernichtung
des Begehrens, ihn fahren lassen, sich seiner entäußern,
sich von ihm lösen, ihm keine Stätte gewähren."
"Dies, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit von dem Weg,
der hinführt zur Aufhebung des Leidens: Es ist dies der edle
'achtfache Pfad', der da heißt: Rechtes Glauben, Rechtes Denken,
Rechtes Sprechen, Rechtes Tun, Rechtes Leben, Rechtes Streben, Rechte
Konzentration, Rechtes Sichversenken."
Durch diese Lehre wurden einerseits die Habgier und die korrupten
religiösen Bräuche der Brahmanen oder der Priesterkaste
des Hinduismus und andererseits die strenge Askese der Anhänger
des Dschainismus sowie anderer mystischer Kulte verurteilt. Die
Lehre des Buddha verhieß Freiheit für alle, die seinem
Weg folgten.
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tantrische Buddhismus
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